Aktuell
Exklusives Interview mit Rechtsanwalt Matthias Waldraff
Für die Dezember-Ausgabe des Unternehmer-Magazins "Die Besten" hat hannover.contex ein exklusives Interview mit Rechtsanwalt Matthias Waldraff geführt. Der Strafverteidiger, der unter anderem wegen der Fälle "Marco" und "Gaucke" und "Bach" zu einem der schillerndsten Anwälte der Stadt geworden ist, spricht unter anderem darüber, wie wichtig die Öffentlichkeit für Anwälte eigentlich ist - und wie eitel man in diesem Job sein muss.
Matthias Waldraff besitzt 28 Jahre Berufserfahrung als Verteidiger in Straf-, Verkehrs- und Wirtschaftsstrafverfahren. Der 57-Jährige betreibt mit seinen Partnern eine Kanzlei im Zentrum Hannovers. Er ist bundesweit tätig und seit 1994 auch als Richter am Anwaltsgericht in Celle.
„Es geht nicht um meine Eitelkeit“
Ob Bach-Prozess, "Marco" oder "Gaucke". Viele ihrer Verfahren werden von Kameras, Mikrophonen und Blitzlichtern begleitet. Genießen Sie eigentlich solche Auftritte?
Wir leben in einer Mediengesellschaft. Spektakuläre Prozesse sind für die Zeitungen, die Rundfunksender und die Fernsehanstalten Themen, über die umfassend berichtet wird. Das Fernsehen braucht Bilder, die Rundfunksender brauchen Interviews. Beides sammeln sie natürlich am ersten Tag eines Prozesses ein. Ich glaube, dass ich damit professionell umgehen kann.
Aber schmeichelt das nicht auch ihrer Eitelkeit, wenn Sie da im Mittelpunkt stehen?
Das mag auf den ersten Blick so wirken. Aber bei diesen Auftritten geht es nicht um die Eitelkeit eines Anwaltes, sondern um die Interessen des Mandanten. Die Medien zeichnen in ihrer Berichterstattung zum Beispiel ein Bild des Angeklagten. Wenn ich verteidige, kann es mir doch nicht egal sein, wie dieses Bild aussieht. Ich versuche selbstverständlich meinen Argumenten, und den Fakten, die ich für wichtig halte, den gebührende Raum in der Berichterstattung zu verschaffen.

Wollen Sie damit eigentlich auch das Gericht beeinflussen?
Darum geht es nicht. Noch einmal: Wir leben in einer Mediengesellschaft. Der Fall Marco hat das geradezu beispielhaft gezeigt. Wer hat sich da nicht alles zu Wort gemeldet. Unter anderem auch Politiker und einige andere Leute, die ihren eigenen Nutzen aus dieser Sache ziehen wollten. Das kann ich als Anwalt nicht laufen lassen. Ich kann nicht zulassen, dass das Schicksal meines Mandanten zum Spielball anderer Interessen wird. Da muss ich eingreifen und Dinge in Interviews in unserem Sinne zurechtrücken. Diese großflächige Berichterstattung ist ein eigener Schauplatz neben dem Geschehen im Gerichtssaal. Das kann ich als Anwalt nicht ignorieren.
Das sehen aber nicht alle ihre Kollegen so...
Ich weiß. Es gibt Kollegen, die die Kontakte zu den Medien sehr restriktiv handhaben. Ich respektiere das, bevorzuge aber ein anderes Vorgehen. Wenn ich die Chance habe, medial etwas für meine Mandanten zu bewegen, sehe ich es als meine Pflicht, diese Möglichkeiten zu nutzen. Dabei unternehme ich nichts ohne Absprache und Zustimmung der Mandanten.
Ein sehr personenbezogenes Vorgehen.
Wir reden bisher nur über die spektakulären Fälle,die ungeachtet der Person des Anwaltes im Blickpunkt der Medien stehen. 90 % der von mir bearbeiteten Fälle tauchen aber in den Medien nicht auf. Ziel jeder kompetenten Verteidigung muss es sein, bei der Staatsanwaltschaft eine Verfahrenseinstellung zu erreichen und den Mandanten die öffentliche Hauptverhandlung zu ersparen. Das gelingt in den meisten Fällen. Doch selbst dann, wenn ein Prozess unvermeidbar ist, geht es mir stets auch darum, Wege zu finden, die Mandanten und Familien durch eine "leise" Erledigung zu schützen.
Verteidigen Sie denn auch noch vor dem Amtsgericht?
Ja, selbstverständlich. Ich setze mich für meine Mandanten, denen beispielsweise die Entziehung der Fahrerlaubnis oder wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung ein Fahrverbot droht, genauso ein wie für Frau Dr. Bach vor dem Schwurgericht.
(Fotos Chris Röhrs, die Fagen stellte Jens Hauschke.)
Spiegel 23/2008


Weitere aktuelle Beiträge finden sie über Google zum Nachlesen. Geben Sie bitte dazu "Matthias Waldraff" als Suchwort ein.